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„Maaamaaaa! Aufwacht!“ frohlockt es aus Lenas Zimmer. Um sechs Uhr morgens löst das keine Freude bei ihren Eltern aus. Doch wie viel Lebensfreude und Neugier spiegelt sich in diesem Aufwachen! Als wolle sie rufen: „Leben, ich komme!“
Auf der einen Seite steht ein Bild vom Kind als Tyrannen, der nie wieder freiwillig aus dem Elternbett ausziehen wird, wenn er erst einmal bis dorthin vorgedrungen ist. Auf der anderen Seite steht ein Bild vom Kind als gleichwertiger Mensch, der die Geschwindigkeit seiner Selbständigkeitsentwicklung mitbestimmt.
„Schläft das Baby schon durch?“ ist eine der häufigsten Fragen, die jungen Eltern gestellt werden. Eltern sollten sich nicht von ihrer Umgebung unter Druck setzen lassen, denn so individuell die Schlafgewohnheiten von Erwachsenen sind, so sind es auch die von Babys und Kindern. Manche Babys schlafen zum Beispiel auf Mamas Bauch wunderbar ein, während andere im eigenen Bett besser zur Ruhe kommen. Letztlich muss jede Familie ihren eigenen Weg zur Nachtruhe finden.
Ein unregelmäßiger Schlafrhythmus in den ersten Lebensmonaten ist normal. Erst mit ungefähr einem halben Jahr beginnen viele Babys den Unterschied zwischen Tag und Nacht zu begreifen und schlafen nun schon mal sechs bis acht Stunden durch. Auch ältere Kinder können Schlafschwierigkeiten haben, etwa durch Zahnen oder Entwicklungsschübe, die sich von selbst wieder verlieren. Eltern können sicher sein, dass ein einjähriges Kind sie nicht ärgern möchte, wenn es nicht alleine in seinem Kinderbett einschläft. Es äußert unmittelbar sein Bedürfnis nach Geborgenheit und Nähe. Beim Einschlafen geht es nämlich nicht um Macht, sondern um Vertrauen und Loslassen. Eltern sollten ihr Kind mit Geduld und Verständnis in seiner Selbständigkeitsentwicklung unterstützen. Es hat nichts mit Verwöhnen zu tun, auf die Bedürfnisse seines Kindes zu reagieren.
Das meint auf der anderen Seite jedoch nicht, dass Eltern ihre eigenen Bedürfnisse ignorieren müssen oder dass Kinder keine klaren Regeln brauchen. Die meisten Angewohnheiten wie zum Beispiel ein Milchfläschchen zum Einschlafen lassen sich mit liebevoller Konsequenz innerhalb kurzer Zeit abgewöhnen, etwa indem die Milch zunächst durch Wasser ausgetauscht wird. Eine klare Ansage, dass jetzt Schlafenszeit ist, hilft einem 2-3 jährigen Kind sicherlich mehr dabei, in den Schlaf zu finden, als ein sich endlos ausdehnendes Einschlafritual mit noch einmal pullern, trinken oder singen.
Vielen Eltern wird heutzutage die sogenante Ferber- oder Sanduhr-Methode zur „Schlaferziehung” empfohlen. Das auf verhaltenspsychologischen Grundlagen basierende Programm ist von dem amerikanischen Psychologen Richard Ferber entwickelt worden und wird in Deutschland von vielen Befürwortern für Kinder ab einem halben Jahr empfohlen. Es gibt unterschiedliche Abwandlungen, die jedoch alle auf das selbe Grundkonzept zurückgreifen: der Erwachsene verlässt den Raum und lässt das Kind schreien. Nach einer bestimmten Zeit betritt er den Raum wieder, tröstet das Kind in seinem Bett und lässt es wieder alleine. Die Zeitdauer der Abwesenheit wird verlängert bis das Kind erschöpft und frustriert einschläft. Diese Methode ist sehr umstritten. Sie führt zwar in manchen Fällen zum gewünschten Verhalten, der Preis dafür ist jedoch, dass das Kind neben Einschlafen auch lernt, dass es mit seinen Ängsten und Bedürfnissen allein gelassen wird. Viele Kinder reagieren daher sehr heftig auf diese Methode, sie werden zum Beispiel auch tagsüber ängstlich und anhänglich und fürchten sich vor ihrem Bett. In extremen Fällen kommt es sogar zu Erbrechen, Ohnmacht und Nahrungsverweigerung. „Besonders betroffen macht mich dabei die Empfehlung von Befürwortern, trotzdem konsequent zu bleiben, damit das Kind ja nicht seinen Willen durchsetzt”, so Petra Merz von der Schreibabyambulanz.
Der Annahme, dass Babys von sechs Monaten schon gezielt beabsichtigen, ihren Willen durchzusetzen, widersprechen viele KinderärztInnen, da die für das Gedächtnis zuständigen Zentren im Gehirn bei einem Baby noch nicht ausreichend ausgebildet sind. Auch ein Zeitgefühl müssen Babys erst entwickeln, daher bedeuten selbst wenige Minuten Schreien für sie enormen Stress. Die Sanduhr hilft also lediglich den Eltern. Wenn Eltern die Geduld aufbringen, ihrem Kind Zeit zu lassen mit dem alleine (Ein-) Schlafen lernen, erledigen sich viele Probleme fast von alleine. Zwar bleibt der Weg zum eigenen Bett ein Loslösungsprozess, der durchaus als schmerzlich empfunden werden kann, doch mit zunehmenden Alter werden Kinder Argumenten immer zugänglicher. Auch die Selbstständigkeitsbestrebungen des Kindes sorgen dafür, dass sie irgendwann alleine schlafen möchten. Tipps, wie Eltern ihr Kind beim Schlafen lernen unterstützen können, finden Sie auf der nächten Seite. In einer verfahrenen Lage, in der eine Familie an die Grenze ihrer Belastbarkeit gekommen ist, kann eine individuelle Beratung helfen, z.B. bei der Schreibabyambulanz von Petra Merz (Tel. 0331-270 15 92), der Beratungsstelle „Vom Säugling zum Kleinkind“ an der FH Potsdam (Tel. 0331-580 24 50) oder anderen Beratungsstellen (siehe Adressen).
Vielleicht ist es tröstlich, dass viele Eltern einmal wutschnaubend vor dem Kinderbettchen standen, weil Schlafen lernen eben auch an Elternnerven zehren kann.
Zum Lesen: Dr. William Sears: „Schlafen und Wachen. Ein Elternbuch für Kindernächte”, La Leche Liga Schweiz 2005, 15,25 Euro. Der Autor ist Kinderarzt und Vater. Er verbindet Ergebnisse aus der Schlafforschung mit psychologischem Einfühlungsvermögen und Respekt vor der Persönlichkeit des Kindes. Zum Surfen: Informationen, persönliche Erfahrungsberichte und Humorvolles zum Thema Schlafen gibt es auf den Internetseiten: www.das-kind-muss-ins-bett.de , www.rabeneltern.org
Einschlaf-Tipps - das können Eltern tun
Einschlafen lernen kann anstregend sein. Aber auch wenn es länger dauert, bis das Kind allein in seinem Bett schläft, können Eltern beruhigt sein: bis jetzt hat es jedes Kind gelernt und alle Kinder räumen ihren Platz im Elternbett lange vor ihrem Schulabschluss. Hier stichwortartig einige Möglichkeiten, den Prozess des Einschlafen-Lernens zu unterstützen.
Bereits am Tag kann man eine gute Nacht vorbereiten. Ein klar strukturierter Tagesablauf mit regelmäßig wiederkehrenden Ritualen gibt dem Kind Sicherheit und erleichtert das zur Ruhe kommen am Abend.
Wenn Kinder immer um annähernd die gleiche Uhrzeit ins Bett gebracht werden, erleichtert das Eltern und Kindern das Loslösen. Der richtige Zeitpunkt variiert von aKind zu Kind. Eltern können am besten einschätzen, wann ihr Kind wirklich müde ist und das Zubettgehritual einleiten, selbst wenn die Welt gerade besonders interessant ist. Ausnahmen von der üblichen Schlafenszeit sollten begründet und mit klaren Abmachungen versehen sein.
Nichts geht über ein ruhiges, immer gleiches Abendritual. Jede Familie hat da sicherlich ihre eigene Vorlieben, z.B. Sandmann schauen, von den Kuscheltieren verabschieden, Buch lesen, Schlaflied singen. Am Abend sollten natürlich möglichst keine neuen oder spannenden Geschichten gelesen werden. Ein klarer Abschlusssatz, z.B. „Jetzt schlaf schön, Lena“ beendet das Ritual. Entweder man verlässt den Raum oder liegt bzw. sitzt einfach ruhig noch neben dem Kind und reagiert auf Gesprächsangebote seitens des Kindes mit dem Abschlusssatz. So kann das Kind sich aus dem Kontakt allmählich lösen und zur Ruhe finden.
Es gibt Wege zum Schlaf zwischen Schreien lassen und in den Schlaf schaukeln. Eltern können sich sanft lösen, indem sie sich Schritt für Schritt aus dem Einschlafprozess des Kindes zurückziehen. Vom Dazulegen ins Bett kann man zum Hand halten übergehen; die Hand kann im nächsten Schritt zum Beispiel durch ein Kuscheltier ersetzt werden. Es gilt, einen eigenen Weg und auch Zeitpunkt zu finden, der für Kinder und Eltern in Ordnung ist.
Über diesen Punkt scheiden sich die Geister. Im Endeffekt muss die gesamte Familie, d.h. auch die Eltern, sich mit der Lösung wohl fühlen. Für das Kind ist es zunächst einmal schön, so nah bei den Eltern zu sein. Spätestens mit 3 bis 4 Jahren kommt dann auch der Wunsch von selbst im eigenen Bett zu schlafen. Zum Gewöhnen an das Kinderbett bietet sich übrigens der Mittagsschlaf an.
Wichtig ist, das Zimmer gut durchzulüften, abzudunkeln und für Ruhe zu sorgen. Achten Sie darauf, dass alle Tätigkeiten in der Nacht (z.B. Wickeln, Stillen, Trösten) ruhig und möglichst im Dunkeln vor sich gehen. Das Kind lernt so, nur den Tag, aber nicht die Nacht mit Aktivitäten zu verbinden. Wenn Ihr Kind im Bett „rotiert“, schweißgebadet aufwacht und trotz einer durchgeschlafenen Nacht nicht erholt aussieht, sollten Sie vielleicht das Kinderzimmer auf Elektrosmog oder Schadstoffe überprüfen lassen.
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