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Naschen mit Bedacht
Süßigkeiten — Lust und Frust bei Eltern und Kind
Schuld ist eigentlich Andreas Sigismund Markgraf, der 1747 den Zucker in der Runkelrübe entdeckte. Bis dahin hatte sich das Zuckerrohr als alleiniger Zuckerlieferant aus Ostasien über Indien und Persien nach Mitteleuropa verbreitet. Zucker galt als eine Köstlichkeit für die Reichen und Mächtigen, er war ein Luxusgut. Mit dem Konkurrenzkampf zwischen Rohr- und Rübenzucker kam es zu einem drastischen Preisverfall und das weiße Gold wurde ab Mitte des 19. Jahrhunderts zum täglichen Bedarfsgut aller Schichten. Und so müssen Eltern heute viel Mühe darauf verwenden, ihrem Nachwuchs einen gesunden Umgang mit Süßem beizubringen. Beim Thema Süßigkeiten zeigt sich einmal mehr, dass Kinder häufig nach dem Lustprinzip handeln und die führende Begleitung der Eltern brauchen, die natürlich über mehr Wissen und Erfahrung verfügen.
„Süßigkeiten sollten etwas Besonderes sein. Dieses Bewusstsein gilt es bei den Kindern zu schärfen", sagt die Potsdamer Ernährungsberaterin Dr. Maren Daenzer-Wiedmer. Wichtig ist es dabei nicht mit Verboten zu arbeiten, denn das verstärkt die Lust auf das Zuckerwerk und führt zu schlechter Stimmung. Statt dessen braucht es feste Regeln und Rituale, damit Kinder (und manchmal auch Eltern) den vernünftigen Umgang mit der süßen Versuchung lernen. Wenn Süßes zu Hause für die Kinder frei zugänglich ist und beim Einkauf automatisch im Einkaufswagen landet, erfahren sie Süßes als alltägliche Nahrung. Daenzer-Wiedmer favorisiert daher eine „Nasch-Truhe", die nach bestimmten Regeln, die mit dem Kind abgesprochen werden, geleert werden kann. So können Kinder ihr eigenes Maß finden. Die Rationen kann man wöchentlich oder täglich vereinbaren, wichtig ist eine angemessene Menge. Sind im Kleinkindalter vor allem Regeln und Vereinbarungen wichtig, um den Kindern zu einen gesunden Umgang mit Süßigkeiten zu verhelfen, sollten spätestens Schulkinder zunehmend in die Eigenverantwortung entlassen werden.
Doch auch wenn Eltern all das bravourös beherzigen - Quengelattacken nach Süßem kennt wohl jeder, und sie werden auch bei einem sehr bedachten Umgang mit Süßem wohl nicht ausbleiben. Besonders beim Einkauf ist es manchmal ratsam, den Kindern eine selbst ausgesuchte Süßigkeit zu erlauben, damit die Quengelzone an der Kasse nicht zum Dauerstress wird. Am besten bespricht man vorher, dass eine, aber auch wirklich nur eine Süßigkeit ausgewählt werden darf.
Eine Regel beim Naschen ist Maren Daenzer-Wiedmer besonders wichtig: niemals vor dem Essen! Dadurch würde der Hunger reduziert und die wichtigen Nährstoffe aus den vollwertigen Mahlzeiten fehlten dem Kind anschließend. Wieviel Naschkram darf es denn nun aber konkret sein? Das Forschungsinstitut für Kinderernährung in Dortmund empfiehlt, dass Kinder und Jugendliche maximal 10 Prozent der Energiezufuhr in Form von zucker- und fettreichen Süßwaren zu sich nehmen sollen. Bei einem 4-6-jährigen Kind mit einem Energiebedarf von etwa 1.450 kcal/ Tag können also etwa 150 kcal vernascht werden, das sind etwa 5-6 Stückchen Schokolade, 6-8 Bonbons, 40 Gramm Gummibären oder 2 Kugeln Eis. Doch Vorsicht: auch die Marmelade auf dem Frühstücksbrot und Softdrinks gelten als zuckerreiche Süßwaren und müssen bei der täglichen Ration berücksichtigt werden.
Auf den süßen Teller zu Weihnachten muss aber natürlich nicht verzichtet werden. „Eine hochwertige Schokolade, Nüsse mit Schale für das Knackerlebnis, selbst gemachte Plätzchen mit wohl dosiertem Zuckeranteil und natürlich Obst.", empfiehlt Daenzer-Wiedmer für so besondere Tage wie den Heiligen Abend oder Geburtstage. Und dann darf wirklich nach Herzenslust genascht werden, ohne warnenden Finger und schlechtes Gewissen.
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